Aktienkapital (AG)
Das Aktienkapital einer Schweizer Aktiengesellschaft (AG) ist der feste, in den Statuten festgelegte Betrag von mindestens CHF 100'000, der in Aktien eingeteilt ist (Art. 621 OR). Bei der Gründung müssen mindestens 20% jeder Aktie und insgesamt mindestens CHF 50'000 liberiert sein.
Was das Aktienkapital ist
Jede Schweizer AG legt in ihren Statuten ein Aktienkapital fest. Dieser Betrag entspricht der Summe, die die Aktionäre sich zu leisten verpflichtet haben, aufgeteilt in Aktien mit einem bestimmten Nennwert. Das gesetzliche Minimum beträgt CHF 100'000 (Art. 621 OR). Bei der Gründung muss jede Aktie zu mindestens 20% ihres Nennwerts liberiert sein, und der insgesamt einbezahlte Betrag muss mindestens CHF 50'000 erreichen (Art. 632 OR). Die Einlagen können als Bar- oder Sacheinlagen erfolgen.
Neuerungen durch die Revision 2023
Die Aktienrechtsrevision, in Kraft seit dem 1. Januar 2023, hat zwei Änderungen gebracht, die das Aktienkapital direkt betreffen. Die Statuten dürfen das Kapital nun in einer für die Geschäftstätigkeit wesentlichen Fremdwährung festlegen, etwa in Euro oder US-Dollar (Art. 621 Abs. 2 OR). Die Statuten können dem Verwaltungsrat zudem ein Kapitalband einräumen: Er darf das Kapital dann während höchstens fünf Jahren innerhalb der statutarischen Grenzen erhöhen oder herabsetzen, die das eingetragene Kapital um höchstens die Hälfte über- oder unterschreiten dürfen (Art. 653s ff. OR). Das Kapitalband erlaubt dem Verwaltungsrat, auf Finanzierungsbedürfnisse zu reagieren, ohne jedes Mal eine Generalversammlung einzuberufen.
Das Aktienkapital im Handelsregister
Der Handelsregistereintrag und die SHAB-Publikation zeigen das Aktienkapital, den liberierten Betrag sowie Anzahl, Art und Nennwert der Aktien. Jede Kapitalerhöhung oder -herabsetzung wird im SHAB als eigene Mutation publiziert. Sie können Kapitalerhöhungen verfolgen, um wachsende Gesellschaften zu erkennen.
Was die Zahl aussagt
Das Aktienkapital zeigt, was die Aktionäre bei der Gründung oder einer späteren Erhöhung zugesagt haben. Es sagt nichts über das aktuelle Eigenkapital, den Umsatz oder die Mitarbeiterzahl. Eine Gesellschaft mit CHF 100'000 Aktienkapital kann Millionen an Gewinnreserven haben oder sich in der Nähe einer Überschuldung befinden. Zur Einschätzung der tatsächlichen Grösse dienen die Leitfäden Grösse einer Schweizer Firma einschätzen und Finanzen Schweizer Unternehmen.
Die meisten Schweizer AGs sind genau mit dem Minimum eingetragen. Wenn eine Gesellschaft ihr Kapital deutlich über CHF 100'000 erhöht, steht oft eine Finanzierungsrunde oder eine Fusion dahinter. Banken und Versicherer brauchen zudem aufgrund der Aufsichtsregeln deutlich mehr Kapital. Bei einem nur teilweise liberierten Kapital, also wenn der eingetragene Betrag den einbezahlten übersteigt, schulden die Aktionäre die Differenz, und der Verwaltungsrat kann sie einfordern (Art. 634b OR).
Vergleich mit der GmbH
Das Stammkapital einer GmbH folgt ähnlichen Grundsätzen, beginnt aber bei CHF 20'000 und muss bei der Gründung vollständig liberiert werden. Die Gesellschafter einer GmbH und ihre Stammanteile werden im Handelsregister publiziert, Aktionäre einer AG nicht.
Aktienkapital: CHF 500'000.00. Liberierung Aktienkapital: CHF 500'000.00. Aktien: 500 Namenaktien zu CHF 1'000.00.
Rechtsgrundlage und Quellen
- Art. 621 OR (Mindestkapital)
- Art. 632 OR (Einlage bei der Gründung)
- Art. 653s OR (Kapitalband)
- KMU-Portal: Rechtsform Aktiengesellschaft (AG)
- Zefix, zentraler Firmenindex
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
- Wie hoch ist das Mindestaktienkapital einer Schweizer AG?
- CHF 100'000. Bei der Gründung müssen mindestens 20% jeder Aktie und insgesamt mindestens CHF 50'000 liberiert sein, als Bar- oder Sacheinlage. Seit 2023 darf das Kapital auch in einer Fremdwährung wie Euro lauten, im Gegenwert von mindestens CHF 100'000.
- Sagt ein hohes Aktienkapital etwas über die Grösse der Firma?
- Nein. Das Aktienkapital ist ein historischer Wert, der bei der Gründung oder der letzten Kapitalveränderung festgelegt wurde. Es sagt nichts über den aktuellen Umsatz, das Eigenkapital oder die Mitarbeiterzahl. Eine AG mit CHF 100'000 Kapital kann einen Millionenumsatz erzielen.
- Kann eine Schweizer AG ihr Aktienkapital in Euro führen?
- Ja, seit dem 1. Januar 2023. Art. 621 Abs. 2 OR erlaubt es, das Kapital in einer für die Geschäftstätigkeit wesentlichen Fremdwährung festzulegen. Der Gegenwert muss bei der Gründung mindestens CHF 100'000 betragen.