Ausländische Unternehmen in der Schweiz: neue Tochtergesellschaften und Zweigniederlassungen

Prospex hat von 2019 bis 2025 4'069 Schweizer Eintragungen mit Bezug zu einer ausländischen Muttergesellschaft identifiziert, im Durchschnitt 581 pro Jahr. Die Zählung umfasst ausländische Zweigniederlassungen und Schweizer Gründungen, deren Meldungen einen Gesellschafter mit Sitz im Ausland nennen.

Die Zahl ist eine Untergrenze. Das SHAB nennt die Aktionäre einer AG nicht, und manche Zweigniederlassungsmeldungen enthalten nicht genug Angaben, um die Muttergesellschaft zuzuordnen. Die Daten zeigen, welche Markteintritte sich im SHAB erkennen lassen und aus welchen Ländern die Unternehmen stammen. Für den Vertrieb stellt sich bei jeder neuen Eintragung die Frage, welche Leistungen das Unternehmen vor Ort benötigt.

Die Analyse stützt sich auf die 2.25 Millionen SHAB-Publikationen im Prospex-Datenbestand von September 2018 bis Juli 2026. Fehlen Angaben, bleibt der Eintrag in der betreffenden Auswertung unberücksichtigt. Auf solche Lücken wird jeweils hingewiesen.

Welche Markteintritte ausländischer Unternehmen erfasst werden

Ausländische Unternehmensgruppen sind in dieser Analyse mit Zweigniederlassungen oder Tochtergesellschaften vertreten. Je nach Form enthält die SHAB-Meldung unterschiedliche Angaben zur Muttergesellschaft.

Die Zweigniederlassung

Eine Zweigniederlassung bleibt Teil der ausländischen Muttergesellschaft, die für deren Verpflichtungen haftet. Der Schweizer Handelsregistereintrag nennt einen Vertreter mit Wohnsitz in der Schweiz sowie den Namen, die Rechtsform, den Sitz und die Registernummer der Muttergesellschaft. Diese Angaben machen eine ausländische Zweigniederlassung im SHAB verhältnismässig leicht erkennbar.

Die Tochtergesellschaft (AG oder GmbH)

Eine Tochtergesellschaft ist eine eigenständige Schweizer Gesellschaft im Eigentum der ausländischen Muttergesellschaft. Eine AG benötigt ein Aktienkapital von CHF 100'000, wovon CHF 50'000 bei der Gründung liberiert sein müssen. Eine GmbH benötigt CHF 20'000 Stammkapital, das vollständig einbezahlt sein muss. Im Handelsregister unterscheidet sich ihr Eintrag kaum von dem anderer Schweizer Unternehmen.

Ob sich die Eigentümer im Handelsregister erkennen lassen, hängt von der Rechtsform ab. Die Gründungsmeldung einer GmbH oder Sàrl nennt ihre Gesellschafter, einschliesslich eines Gesellschafters mit Sitz im Ausland. Die Meldung einer AG listet keine Aktionäre auf. Die nachstehende Methode erkennt daher viele GmbH- und Sàrl-Gründungen mit ausländischer Muttergesellschaft. AG-Tochtergesellschaften bleiben dagegen unerkannt, wenn sich ihre Eigentümer nur anhand anderer Quellen ermitteln lassen.

Anhand der Meldungstexte lassen sich zwei Kategorien nach festen Kriterien erfassen.

Ausländische Zweigniederlassungen: Zweigniederlassungseintragungen, deren Meldung ausdrücklich auf eine ausländische Muttergesellschaft verweist, etwa «ausländische Zweigniederlassung» oder «succursale étrangère», oder deren Identifikationsnummer des Hauptsitzes keine Schweizer UID ist. Von 11'669 Zweigniederlassungseintragungen im Datenbestand erfüllen 1'696 eine dieser Bedingungen.

Erkennbare Gründungen mit ausländischer Muttergesellschaft: Gründungen, deren Text einen Gesellschafter mit Sitz im Ausland nennt oder eine ausländische Registernummer angibt, etwa HRB, R.C.S., FN, FL oder Companies House. Von 384'193 Gründungen erfüllen 2'875 diese Kriterien.

Die Zählung erfasst viele AG-Tochtergesellschaften nicht, weil das SHAB deren Aktionäre nicht nennt. Von den 2'875 erkannten Gründungen sind 2'750 eine GmbH oder eine Sàrl, obwohl diese Formen nur 41% aller Schweizer Gründungen ausmachen. Die Zweigniederlassungszählung ist aus einem anderen Grund unvollständig: In älteren Genfer Meldungen fehlen häufig Angaben zum Hauptsitz, sodass 327 der 916 Zweigniederlassungseintragungen des Kantons weder schweizerischen noch ausländischen Muttergesellschaften zugeordnet werden konnten.

Was die Daten zeigen

Eintragungen pro Jahr

Jahr Ausländische Zweigniederlassungen Erkennbare Gründungen mit ausländischer Muttergesellschaft Total
2019245341586
2020227316543
2021250433683
2022230433663
2023179326505
2024193367560
2025185344529

Auf Zweigniederlassungen entfallen 1'509 der 4'069 erkannten Markteintritte. Ihr Anteil an sämtlichen Markteintritten dürfte allerdings tiefer liegen, weil die Methode viele AG-Tochtergesellschaften nicht erfasst.

Herkunftsländer

Bei Zweigniederlassungen wird das Herkunftsland aus den Angaben zum Hauptsitz ermittelt. Bei 82% der erkannten Zweigniederlassungen konnte Prospex das Land bestimmen. Bei Gründungen wird das Land aus dem Sitz des Gesellschafters oder dessen ausländischer Registernummer abgeleitet. Bei 99.6% der erkannten Gründungen liess sich das Land bestimmen.

Diese Werte werden aus dem Publikationstext abgeleitet. Das SHAB stellt kein strukturiertes Feld für das Herkunftsland bereit.

Land der Muttergesellschaft Anteil der Zweigniederlassungen Anteil der erkennbaren Gründungen
Deutschland23.6%22.1%
Vereinigtes Königreich20.5%10.2%
Italien9.1%9.6%
Liechtenstein7.7%3.6%
USA4.9%11.5%
Österreich4.4%4.4%
Niederlande4.0%7.1%
Irland3.9%1.2%
Luxemburg3.2%1.2%
Frankreich1.3%14.4%

Die Anteile beziehen sich auf 2019 bis 2025. Grundlage sind 1'236 Zweigniederlassungen und 2'550 Gründungen, bei denen sich das Herkunftsland bestimmen liess.

Die Zahl neuer Zweigniederlassungen britischer Muttergesellschaften sank von 54 im Jahr 2021 auf 21 im Jahr 2022. In den Folgejahren bis 2025 lag sie zwischen 23 und 32 pro Jahr. Bei deutschen Muttergesellschaften wurden über den gesamten Zeitraum jährlich 39 bis 46 Zweigniederlassungen eingetragen.

Standorte in der Schweiz

Der Vergleich mit allen Schweizer Gründungen zeigt, in welchen Kantonen sich überdurchschnittlich viele Unternehmen mit ausländischer Muttergesellschaft ansiedeln.

Kanton Anteil der erkennbaren Gründungen mit ausländischer Muttergesellschaft Anteil aller Gründungen
Zug20.7%5.9%
Zürich19.5%18.0%
Genf11.4%8.2%
Tessin9.3%4.5%
Basel-Stadt5.0%2.6%
Waadt4.6%9.8%
St. Gallen3.9%5.3%
Luzern3.4%4.4%

Besonders Zug zieht ausländische Unternehmen an. Auch im Tessin und in Basel-Stadt ist der Anteil der Gründungen mit ausländischer Muttergesellschaft etwa doppelt so hoch wie der Anteil dieser Kantone an allen Gründungen.

Bei den erkannten Zweigniederlassungen sieht die Verteilung anders aus: 370 in Zürich, 231 in Zug, 180 in der Waadt und 175 im Tessin. Genf lässt sich mit der aktuellen Methode nicht zuverlässig einordnen, weil in älteren Meldungen häufig Angaben zur Muttergesellschaft fehlen. Eine vollständige Rangliste aller Kantone setzt voraus, dass sich diese Genfer Meldungen verlässlicher zuordnen lassen.

Was eine neue Eintragung für den Vertrieb bedeutet

Eine neue Eintragung kann ein Anlass sein, Kontakt aufzunehmen: Sie bestätigt, dass die Schweizer Gesellschaft oder Zweigniederlassung gegründet wurde. Wie weit der Aufbau vor Ort fortgeschritten ist, geht daraus nicht hervor. Vielleicht sucht die Muttergesellschaft noch lokale Lieferanten. Vielleicht hat sie Dienstleister und Räumlichkeiten schon vor der Veröffentlichung organisiert.

Nutzen Sie die Eintragung als Ausgangspunkt für Ihre Recherche. Unternehmenszweck, Muttergesellschaft, Adresse und Zeichnungsberechtigte helfen Ihnen einzuschätzen, ob das Unternehmen zu Ihrem Zielmarkt gehört. Stelleninserate und eine Schweizer Website geben konkretere Hinweise darauf, ob vor Ort ein Betrieb entsteht. Auch spätere Veränderungen können zeigen, wie der Aufbau vorankommt.

Wie früh die Meldung erscheint

Das SHAB liefert eine frühe öffentliche Bestätigung der Eintragung. Die Meldung erscheint, nachdem das kantonale Handelsregister die Anmeldung bearbeitet hat. Zu diesem Zeitpunkt kann das Unternehmen seinen Start bereits seit Wochen vorbereiten. Der Vorteil für die Recherche: Alle eingetragenen Gesellschaften und Zweigniederlassungen erscheinen in derselben Quelle.

Die eigene Ankündigung des Unternehmens kann vor oder nach der SHAB-Meldung erscheinen oder ganz ausbleiben. Prüfen Sie die Website und die Kommunikation der Muttergesellschaft. Prüfen Sie auch, ob sie Personal sucht. So können Sie besser einschätzen, ob das Unternehmen tatsächlich in der Schweiz tätig wird.

Wo lokale Unterstützung gefragt sein kann

Je nach Geschäftsmodell kommt Unterstützung vor Ort in folgenden Bereichen infrage:

  • Bankverbindung: Prüfen Sie, ob das Unternehmen noch ein Geschäftskonto oder Unterstützung beim lokalen Zahlungsverkehr und Liquiditätsmanagement benötigt.
  • Buchhaltung: Je nach Organisation der Muttergesellschaft kann das Unternehmen Unterstützung bei der Schweizer Buchhaltung und bei Steuerfragen benötigen.
  • Lohn und Sozialversicherungen: AHV- und BVG-Pflichten beginnen mit der ersten lokalen Anstellung. Das gilt auch für die UVG-Pflicht.
  • Recht: Zum Start müssen häufig Arbeits- und Mietverträge erstellt werden. Je nach Branche sind auch Gesuche bei Behörden nötig.
  • Räumlichkeiten: Jedes Unternehmen hat eine eingetragene Adresse. Die Art der Adresse und die Rekrutierungspläne geben Hinweise darauf, ob es auch Arbeitsräume benötigt.

Wie Sie das Vertriebspotenzial eines Markteintritts prüfen

Den Unternehmenszweck lesen

Die Zweckbestimmung gibt einen ersten Hinweis auf die Branche, etwa mit Formulierungen wie «Erbringung von IT-Dienstleistungen» oder «Handel mit Rohstoffen». Zweckbestimmungen lassen häufig ein breiteres Tätigkeitsspektrum zu, als das Unternehmen tatsächlich ausübt. Prüfen Sie auf den Websites des Unternehmens und seiner Muttergesellschaft, welche Leistungen sie tatsächlich anbieten.

Die Muttergesellschaft prüfen

Die Meldung einer Zweigniederlassung nennt den Sitz und die Registernummer der Muttergesellschaft. Mit diesen Angaben können Sie die Muttergesellschaft im zuständigen ausländischen Register nachschlagen. Bei der Gründung einer GmbH oder Sàrl finden Sie entsprechende Angaben im Abschnitt über die Gesellschafter.

Die Website der Muttergesellschaft und das Register ihres Herkunftslandes helfen, ihre Grösse und ihre aktuellen Märkte einzuschätzen. Das kann auch helfen, die Gründe für den Markteintritt in der Schweiz zu verstehen. So können Sie einschätzen, welche der neu eingetragenen Unternehmen zu Ihrem Angebot passen.

Das Kapital einordnen

Das eingetragene Kapital hilft nur bedingt bei der Einschätzung. Aus dem gesetzlichen Mindestkapital von CHF 20'000 lassen sich kaum Rückschlüsse auf die Pläne einer GmbH ziehen. Ein höherer Betrag zeigt zunächst nur, dass bei der Gründung mehr Kapital eingebracht wurde. Ob das Unternehmen vor Ort Personal einstellt und welches Budget dafür bereitsteht, müssen Sie gesondert prüfen. Eine Zweigniederlassung hat kein eigenes Kapital. Das in der Meldung genannte Kapital des Hauptsitzes bezieht sich auf die Muttergesellschaft.

Die Zeichnungsberechtigten prüfen

Prüfen Sie die Zeichnungsberechtigungen, um festzustellen, wer das Unternehmen rechtsverbindlich vertreten kann und ob die Personen einzeln oder zu zweit zeichnen. Ihre Funktionen und Wohnorte bieten Ansatzpunkte für die weitere Recherche. Nutzen Sie Stelleninserate und Team-Seiten als aktuelle Quellen für Personalbestand und Rekrutierungspläne.

Fehlzuordnungen und Unternehmen mit geringem Bedarf

Manche Eintragungen lassen sich einer ausländischen Muttergesellschaft zuordnen, obwohl das Unternehmen in der Schweiz lediglich eine administrative Präsenz unterhält. Eine Zuger Holding ohne Angestellte, deren Zweck sich auf «Halten und Verwalten von Beteiligungen» beschränkt, braucht einen Treuhänder und eine eingetragene Adresse. Ihr Bedarf an Lohnbuchhaltung oder Büroräumen für ein Team kann gering sein. Auch bei Eintragungen an einer Domiziladresse lohnt sich ein genauerer Blick.

Gerade im Baugewerbe werden Zweigniederlassungen teilweise für einen einzelnen Auftrag eingetragen und nach Projektende wieder geschlossen. Prüfen Sie deshalb den Auftrag und den Projektzeitplan, bevor Sie von einer langfristigen Kundenbeziehung ausgehen.

Der Abschnitt über die Gesellschafter kann eine im Ausland wohnhafte Privatperson nennen. Ein solcher Eintrag belegt keine ausländische Muttergesellschaft. Prospex filtert Namen heraus, die auf Privatpersonen hindeuten. Dabei sind Fehler möglich. Prüfen Sie deshalb, ob der genannte Gesellschafter tatsächlich eine Muttergesellschaft ist, bevor Sie den Eintrag für Ihre Recherche nutzen.

Wie Prospex neue Markteintritte erkennt

Prospex liest jeden Morgen die neuen SHAB-Publikationen und wendet beide Erkennungsmethoden in allen 26 Kantonen an. Zu jedem erkannten Markteintritt zeigt Prospex den Unternehmenszweck, die Zeichnungsberechtigten, die Muttergesellschaft und die Branche. Nutzer können die Einträge nach ihrem Zielmarkt filtern.

Stelleninserate und Website-Änderungen liefern Hinweise darauf, was nach der Eintragung geschieht. Diese Signale helfen, eine Gesellschaft ohne erkennbare Geschäftstätigkeit von einem Unternehmen zu unterscheiden, das rekrutiert oder eine lokale Präsenz aufbaut.

Weiterführende Informationen

  • SHAB (Schweizerisches Handelsamtsblatt) erscheint jeden Werktag online. Filtern Sie nach Kanton und Publikationstyp, um Neueintragungen zu sehen.
  • Zefix ist der eidgenössische Firmenindex. Suchen Sie nach Firmenname, UID oder Stichwort, um die vollständige Eintragung und den Link zum kantonalen Registerauszug zu finden.
  • SHAB-Publikationen lesen behandelt jeden Publikationstyp im Amtsblatt und die Struktur der Einträge. Eine Anleitung zeigt, wie Sie die Publikationen täglich durchgehen können.
  • Ein Schweizer Unternehmen prüfen erklärt, welche Register Ihnen helfen, ein neu eingetragenes Unternehmen einzuschätzen.

Geschrieben von

Semion Sidorenko

Semion Sidorenko ist Gründer und CEO von Prospex. Von Data Engineering bis zur Machine-Learning-Forschung hat er fünfzehn Jahre damit verbracht, Unternehmen beim Ausbau ihrer Datenplattformen zu helfen. Vor der Gründung von Prospex arbeitete er als Machine-Learning-Ingenieur an der EPFL und als unabhängiger Data Engineering Consultant für Schweizer Unternehmen.

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