CHF 2,6 Mio. Schokoladenpudding: die kuriosesten Schweizer Beschaffungen
Jede öffentliche Ausschreibung oberhalb eines Schwellenwerts landet auf simap.ch, der eidgenössischen Beschaffungsplattform. Der Datensatz reicht bis 2008 zurück und umfasst Bundesämter, Kantone, Städte, Spitäler, Bahnen und die Armee. Das meiste sind Strassen, IT und Beratung. Einiges davon ist Schokoladenpudding.
Wir haben 137'000 vergebene Aufträge im Gesamtwert von CHF 240 Milliarden durchgesehen und diejenigen herausgepickt, bei denen wir beim Scrollen hängengeblieben sind. Alles unten ist eine reale, abgeschlossene öffentliche Ausschreibung mit einer benannten Gewinnerin und einem publizierten Preis.
CHF 2.6 Millionen für Schokoladenpudding
In der Beschaffungsdatenbank steht es als «Dessertcrème Schokolade in Portionen»: einzelne Schokoladendessertbecher, die man in der Kantine aufpeelt. Armasuisse vergab den Auftrag im Juni 2025 für CHF 2'594'400 an die Guma AG. Die Schweizer Armee verpflegt während der jährlichen Wiederholungskurse rund 100'000 Personen, was den Preis pro Portion auf wenige Rappen drückt.
Schwarze Schuhcreme: CHF 1.9 Millionen
Im November 2016 gab armasuisse CHF 1'942'800 für «Schuhcreme schwarz für Kampfstiefel 90» aus: schwarze Schuhcreme für das Kampfstiefelmodell 90. Den Zuschlag erhielt die Frike Chemicals AG. Bei einer Armee mit 140'000 Reservisten und dem Anspruch, dass jedes Paar Stiefel bei der Inspektion glänzt, summieren sich die Tuben.
Die Bahn kauft auch Socken
Die SBB-Abteilung «Konzerneinkauf Textilien» vergab im Mai 2019 CHF 1'179'900 für «Socken», aufgeteilt auf die Jacob Rohner AG und die Würth AG. Dieselbe Rohner. Die SBB beschäftigt rund 34'000 Personen, von denen viele Uniformen und firmeneigene Schuhe tragen. Die Socken gehören dazu.
Toilettenpapier für die gesamte Bundesverwaltung
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) beschafft für die gesamte Bundesverwaltung. Sein Vertrag vom November 2008 mit der Cartaseta-Friedrich + Co über CHF 3'762'000 betraf «Papier hygiénique»: Toilettenpapier. Ein mehrjähriger Rahmenvertrag, der jedes Bundesgebäude im Land abdeckte.
Eine halbe Million Franken für Schweizer Taschenmesser
Die Victorinox AG erhielt CHF 500'000 von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) für die «Beschaffung Victorinox Taschenmesser»: Taschenmesser. Die DEZA verteilt sie als offizielle Geschenke bei diplomatischen Missionen. Der Auftrag vom Februar 2025 wurde freihändig vergeben, was nach Bundesrecht zulässig ist, wenn nur ein Anbieter das spezifizierte Produkt herstellt.
Eine Kirchenorgel für CHF 1.5 Millionen
Die Orgelbau Kuhn AG aus Männedorf am Zürichsee baut seit 1864 Orgeln. Ihr jüngster öffentlicher Auftrag: CHF 1'500'000 für einen «Orgelneubau in bestehendem Gehäuse» (eine neue Orgel im bestehenden Gehäuse) bei der Reformierten Kirchgemeinde Herzogenbuchsee, Kanton Bern, vergeben im Juni 2026. Eine öffentliche Ausschreibung für eine Kirchenorgel ist ungewöhnlich: Sie bedeutet, dass die Kirchgemeinde öffentlich finanziert ist oder der Betrag den kantonalen Schwellenwert für kirchliche Körperschaften überschreitet.
Was die Liste über das Schweizer Beschaffungswesen sagt
Die Kuriositäten sind echt, aber sie stehen in einem System, das genau das tut, was es soll. Die Schweiz veröffentlicht jeden grösseren Auftrag, egal wie gewöhnlich oder wie seltsam er ist. Ein Rahmenvertrag für Schokoladenpudding, eine Kirchenorgel oder ein Paar Socken erhält dieselbe Transparenz wie ein Autobahntunnel. Das ist der Punkt: Das System entscheidet nicht, was Prüfung verdient, es veröffentlicht alles und lässt die Öffentlichkeit entscheiden.
Die Beträge sind Rahmenvertragstotale, verteilt über mehrere Jahre und teilweise mehrere Lieferanten. Ein Sockenvertrag über CHF 7.3 Millionen deckt jedes Paar ab, das jedem Soldaten über die Laufzeit des Vertrags ausgehändigt wird. Ein Dessertvertrag über CHF 2.6 Millionen deckt jeden Schokoladenbecher ab, der in jeder Militärkantine serviert wird. Pro Stück sind die Preise unauffällig.